Claudia Sommer, Webmanagerin von Greenpeace, wurde durch Twitter und ihren Weblog bekannt. Mittlerweile ist sie die meistgelesene Umweltaktivistin im deutschsprachigen Internet. Ihr Trick war, anderen zuzuhören und auf interessante Menschen und Beiträge hinzweisen. Wie man sich im Netz am besten verhält und wie man mit seinem Personal Brand bei Anderen ankommt, darüber haben wir mit Claudia gesprochen:
Seit wann bist du denn jetzt als Einzelperson im Internet aktiv?
Angefangen habe ich 2003 mit meinem Xing-Profil - naja damals hieß es noch OpenBC.
Und heute? Wie genau sieht dein Job aus?
Seit zwei Jahren arbeite ich als Webmanagerin bei Greenpeace. Da ist es Teil meines Jobs, neue Tools im Netz auszuprobieren und zu sehen, ob wir sie für unsere Organisation einsetzen können. Philosophie von Greenpeace ist es mit offenem Visier aufzutreten, dass gilt auch für mich Claudia Sommer. Anonym zu kommentieren beispielsweise ist ein absolutes No-Go: da könnte es schnell heißen Greenpeace macht verdeckte PR à la Deutsche Bahn ;)
Ich repräsentiere Greenpeace nicht nur im Netz, sondern auch offline. Wichtig für mich ist, dass mir bewußt ist, dass alles, was ich sage und tue auch im Einklang zu den Greenpeace Grundsätzen steht.
Beispielsweise wohne ich in einem kleinen Hamburger Vorort, in dem mich jeder kennt. Wenn ich da nicht im Bioladen einkaufen gehen würde, würde das sicherlich nicht gut ankommen. Das gleiche gilt im Netz: jeder weiß, wo ich herkomme und welchen Standpunkt ich vertrete. Da muss ich als Einzelperson immer drauf achten, dass ich die Reputation von Greenpeace in keinster Weise beschädige. Greenpeace ist eben nicht nur ein Job, sondern auch Lebenseinstellung.
Wie wirst du in der Öffentlichkeit wahrgenommen?
Witzigerweise denken die meisten, dass ich eine Art PR Managerin von Greenpeace bin, dabei arbeite ich in der ICT. Was viele nicht wissen: Greenpeace macht überhaupt keine PR wie man sie heutzutage versteht. Klar machen wir Öffentlichkeitsarbeit, denn wir vertreten ein klar definiertes öffentliches Interesse.
Was hast du für Erfahrungen im Netz gemacht: wie kann man sich am besten vermarkten?
Erst einmal musst du auf Google & Co gefunden werden. Das funktioniert natürlich, indem du deine Seite suchmaschinenoptimierst, z.B. steigt der Page-Rank, je mehr Verlinkungen man hat.
Meinen Blog "me, myself and I" habe ich seit 2007, richtig intensiv pflege ich ihn aber erst seit Ende 2008. Mit regelmäßigen Einträgen, vielen Links und Kommentaren hab ich es im Google-Ranking mit bestimmten Keywords nach ganz oben geschafft.
Das Web 2.0 dreht sich um Menschen und Themen. Das bringt dir nur dann einen Vorteil, wenn du dein Gesicht zeigst. Früher war ich in Social Networks ausschliesslich mit Synonymen unterwegs, so können sich kaum positive Effekte ergeben.
Irgendwann habe ich mich mich sehr radikal dazu entschlossen, meine Anonymität aufzugeben und mit meinem echten Namen online aufzutreten. Von einem Tag auf den anderen habe ich quasi einen Paradigmen-Wechsel vollzogen.
Wie hast du dieses "Gesicht zeigen" empfunden?
Ich kann bis heute nicht ein einziges negativ Beispiel nennen, ich hatte definitiv bis Dato nur Vorteile. Die Kultur im Netz ist einfach eine andere, es geht um direkte Kommunikation und Teilen von Informationen. Meine Twitter-Follower sind innerhalb von kurzer Zeit rasant angestiegen - mittlerweile sind es 3.400. Sie folgen mir, weil sie meine Tweets gut finden, bzw. diese einen Nutzen für sie haben. Ich hätte nie gedacht, dass andere mich und Themen die mich beschäftigen, so interessant finden! Das Statement von Brian Solis "We are what we share" ist Realität.
Ich habe mir das letzte Jahr bei Twitter einmal statistisch angesehen: Im Durchschnitt haben meine Follower jeden zweiten meiner Tweets retweetet! (Das hab ich bei Google rausgefunden ;)).
Anfangs hab ich den Followern keine Bedeutung beigemessen: Du weißt ja gar nicht, wer das ist. Auch die Anzahl der "Freunde" auf Facebook hat ja keinerlei Bedeutung. Aber dann habe ich erlebt, was diese Followerschaften im realen Leben bedeuten: auf Kongressen kommen plötzlich wildfremde Menschen auf Dich zu und fragen, ob ich "csommer" bin, laden Dich auf Geburtstagsfeiern ein, etc. Alles Dinge die zuvor nicht möglich gewesen wären.
Mit der Zeit erkennt man den Mehrwert, die durch die Dynamik zwischen on- und offline entsteht. Das senkt ganz klar die Kontaktschwelle und man lernt unglaublich viele interssante Menschen kennen!
Wie genau hilft dir deine Bekanntheit?
Du kannst leichter beruflich Kontakte knüpfen. Zum Beispiel habe ich die Agentur, die für unsere Community in Frage kam, im Internet recherchiert. Eine von drei ausgesuchten ist es dann geworden.
Umgekehrt habe ich selbst bereits sehr viele Jobangebote erhalten. Das hat seit meiner Bekanntheit im Netz immer mehr zugenommen. Mittlerweile sind es mindestens zwei direkte Angebote namhafter Headhunter im Monat.
Fazinieren tut mich aber wirklich, dass man so viele Menschen kennenlernen kann.
Du hast also sehr viel Zeit investiert, um dir deine Präsenz aufzubauen?
Für mich ist sie pflegeleicht, weil ich mich mit Tools u. Technik auskenne. Die Bedienung mag für andere aber schwieriger sein.
Als Webmanagerin von Greenpeace ist das natürlich teil meines Jobs, mich mit diesen neuen Dingen zu befassen. Meine Aufgabe ist es, Trends zu erkennen. Was ist gut? Was hat Potential? Was kann für Greenpeace eingesetzt werden?
Worin siehst du den größten Vorteil?
Das sind banale Dinge. So sehe ich zum Beispiel über Google Latitude direkt, wo meine Freunde sind (wenn sie das Tool auch benutzen) und ich muss nicht danach fragen.
Insgesamt ist es für mich einfacher, mein Leben zu organisieren, meine Zeit besser zu nutzen und für mich relevante und interessante Kontakte zu finden.
Verliert man sich nicht in den Online-Welten?
Ich hatte auch mal Phasen, in denen ich nur online war. Da muss man aber das richtige Maß finden. Das hat viel mit Medienkompetenz zu tun. Heute schätze ich, dass ich etwa zwei Stunden pro Tag das Web auch in meiner Freizeit nutze.
Klar gehen da manche Dinge auch ineinander über. Twitter z.B. nutze ich beruflich und privat.
Würdest du dich als Seeding Kanal für Greenpeace bezeichnen?
Nein, das bin ich nicht. Ich twittere die Themen, die mich - auch persönlich - interessieren. Dabei muss ich nichts mit dem Kommunikationsbereich abstimmen. Ich stehe persönlich für das, was ich schreibe, auch wenn es Greenpeace-Themen sind. Ich bin quasi gelebter Kulturwandel.
Die Mischung macht es interessant. Würde ich nur privates ins Netz stellen oder nur Greenpeace Themen, dann hätte ich garantiert weniger Follower.
Wie wurdest du zur Marke?
Ich kann nur jedem an die Hand geben, eine starke und eindeutige Meinung zu vertreten. Wischi-Waschi-Einstellungen bringen dich nicht weiter. Blogleser erwarten klare Standpunkte. Branding findet in erster Linie eben über Differenzierung statt.
Natürlich gibt es dann auch Gegendwind, mit dem man klar kommen muss, auch hier ist es wichtig für seine Meinung und Themen einzustehen.
Und nochmal: Du musst Gesicht zeigen und deine Identität klar darstellen. Nur so kann man sich etablieren und seine Peer-Groups finden. Wichtig finde ich auch, einfache Kontaktmöglichkeiten zu bieten. Also die Telefonnummer in Netzwerken anzugeben und eine Emailadresse.
Es gilt aber, dass man sich entscheiden muss: der Benefit, eine Marke zu sein bedeutet ein stückweit weniger Privatssphäre. Dabei ist der Übergang ist fließend. Ich glaube, das wird auch in Zukunft weiter zunehmen. In gewissen Branchen ist jetzt schon "always on" angesagt...
Woran merkt man, dass man ein gutes Image in der Öffentlichkeit hat und - wie du - sich zum Meinungsführer etabliert hat? Was sind also aus deiner Sicht die Erfolgsfaktoren fürs "Personal Brand Building"?
Das ist einmal das positive Feedback über Retweets und Replies. Dann erhält man automatisch mehr Einladungen zu Gastbeiträgen, Vorträgen oder Gastartikeln.
Um so weit zu kommen, muss man sich selbst sichtbar machen: wenn die Menschen einen nicht kennen, kann man fachlich noch so gut sein - es kriegt keiner mit.
Wie kann myON-ID bei der Darstellung der Eigenmarke unterstüzen?
Ich denke, nicht jeder hat die Möglichkeit sich mit Twitter, Blog und Co. darzustellen.
myON-ID ermöglicht es Internetnutzern, sich mit wenig Aufwand sehr gut "in Szene" zu setzen. Die Arbeit nimmt myON-ID ihnen ab, sie müssen nur alles ausfüllen. Fokus sollte sein: womit du dich beschäftigt, wofür du dich interessierst, wie sieht deine beruflicher Werdegang aus. So trifft man privat oder beruflich auf Gleichgesinnte.
Headhunter kommen genau deshalb auf mich zu: ich gebe an, was ich kann und was ich biete. Meist wird über Google recherchiert, wer welche Kompetenzen hat und ob er dem gesuchten Profil entspricht.
Wie schätzt du vor diesem Hintergrund die Chance für myON-ID ein?
Sie erlauben technisch versierten, andere Dienste miteinzubinden - das ist ein Riesenvorteil, da andere Netzwerke das nicht bieten, sind aber für den normalen Internet-User sehr einfach gehalten.
Was sind aus deiner Sicht Fehler, die man beim Personal Brand Building machen kann?
Deine Philosophie muss sich mit deinem Unternehmen vertragen. Daher ist eine meiner Prämissen: "Think before you post". Man sollte keinen Müll twittern oder sonstige belanglose Statusmeldungen schreiben. Das Internet vergißt eben nichts. Da kann man schnell seinen Job verlieren.
Das Web 2.0 macht Kurzschlüsse leicht, die man hinterher bereut. Don'ts sind Internas wie Streitigkeiten mit Kollegen. Dass Arbeitgeber im Netz unterwegs sind und überall Kündigungsgründe finden könnten, sollte nicht unterschätzt werden!
Was findest besonders gut bei myON-ID?
Ich finde ganz toll, dass man sich mit der myON-ID über die automatische OpenID bei anderen Diensten anmelden kann. Kein normaler User weiß was OpenID ist. So verstehen es auch weniger internet-affine Nutzer. Wichtig für die Vermarktung der eigenen Person ist das Suchmaschinenranking.
Auf myON-ID habe ich nicht das Gefühl, dass ich mich in einem Walled Garden befinde. Die Plattform ist von beiden Seiten offen und man kann alles miteinbinden, bzw. verbinden. Dies ist deutlich besser gelöst als bei anderen Netzwerken.
Das ist die Zukunft! Geschlossene Communities gehören jetzt schon der Vergangenheit an.
Worauf müssen User grundsätzlich achten, wenn sie sich selbst präsentieren. Gibt es allgemein gültige Regeln?
Keine Peinlichkeiten wie Partyfotos posten. Außerdem - wie gesagt - niemals Firmeninterna oder Streitigkeiten thematisieren. Das sind Themen, die im Netz nichts zu suchen haben. Man sollte sich so präsentieren, wie man sich auch face-to-face verhält. Online gelten die Regeln des höflichen Umgangs miteinander genauso.
Man sollte auch nicht auf jede Konfrontation eingehen. Manchmal müssen die Dinge einfach so stehen gelassen werden. Genauso wie man im normalen Leben nicht auf jede Diskussion eingeht. Du solltest nicht vergessen, dass du in dem Moment auch demjenigen, der dich provoziert, deine Aufmerksamkeit schenkst.
Just do it! Eine Identität im Netz bringt nur Vorteile.
© 2008 – 2010 myON-ID
